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12. Dezember 2005
Der Tag dazwischen
 

 

Das war heut irgendwie ein komischer Tag. Gar kein schlechter, sondern nur ein komischer. Ist mir ein bissl vorgekommen als würd er wie ein Film an mir vorbeilaufen und ich sitz da in Trance und schau zu... Weil mit meinen Gedanken bin ich schon am Kilimanjaro. Die letzten 100 Höhenmeter auf den Meru gestern waren ganz schön heftig. Der Kili ist noch einmal mehr als 1.200 m höher. Und noch viel kälter. Und schlafen im Zelt, nicht in der warmen Hütte. Wie soll ich denn das schaffen... 

 

Fast schon ein vertrauter Anblick und doch

 immer wieder aufs Neue schön. Der Kilimanjaro.

 Inzwischen wissen wir, dass wir sozusagen links

 rauf und rechts wieder runter gehen werden.

 Zumindest wär das jetzt mal der Plan...

Mt. Meru sieht heute für mich anders aus. Ich

 kenne dieses Phänomen schon von anderen

 Bergen. Wenn ich mal oben war, seh ich den

 Berg mit anderen Augen. Eher ein bisschen wie

 einen alten Kumpel. Den ich gern wieder mal

 besuchen möchte. Irgendwann.

 

Allem voran in der Früh mal die schlechte Nachricht. Meine Kamera ist hin. Gestern am Gipfel des Mt. Meru hab ich plötzlich am Display nichts mehr gesehen. Robert hat gemeint das sei eine Störung wegen der Kälte und es wird wieder, aber ich war von Anfang an skeptisch. Striche ziehen sich durchs Display - sieht aus wie Sprünge. Auch heute noch - und damit sind meine letzten Hoffnungen dahin. Ich denke, sie macht noch Fotos (zumindest das Knipsgeräusch macht sie noch), aber ich kann die Fotos am Display nicht ansehen und ich habe auch keine Ahnung, wie sie eingestellt ist, denn das sieht man auch nur am Display. Wahrscheinlich fotografiere ich gerade fleißig im Unterwassermodus...

Nach Packen und Frühstücken sind wir gegen 7.30 Uhr von der Saddle Hut (3.500 m Seehöhe) aufgebrochen. Wieder ange(oder be-?)lächelt von Kilimanjaro vor und Mt. Meru hinter uns sind wir innerhalb von ca. 5 Stunden zurück hinunter zum Momella Gate auf ca. 1.700 m gegangen. Fast die ganze Zeit habe ich mit unserem so netten Parkranger Peter geplaudert. Ich hab ihm auch von meinen Bedenken bzgl. Kilimanjaro erzählt. "You are a strong lady, you will make it" hat er nur gesagt...

Unten beim Momella Gate haben wir im Freien unter einem Baum unser Mittagessen bekommen. Picknick sozusagen. Ganz toll, entspannend und angenehm. Währenddessen haben wir von Peter jeder zwei Urkunden bekommen. Je eine für die Besteigung von Little Meru und von Mt. Meru. Beweis sozusagen. Zum Beispiel für Leute, denen die Kamera eingeht... Der Abschied von Peter hat mich traurig gestimmt - wirklich schade, dass ich ihn wohl nie wieder sehen werde. 

 

Auf der Busfahrt zurück nach Arusha gab es

 wieder einiges zu sehen. Zum Beispiel Giraffen...

... und Bananenfelder. Bananen sind in Tanzania

 preisgünstig und in vielen verschiedenen Sorten

 erhältlich. Eine besser als die andere.

 

Mit dem Bus sind wir dann wieder nach Arusha gebracht worden. Bevor wir zum Hotel gefahren sind, haben wir aber noch bei einem Supermarkt angehalten, um Einzukaufen. Morgen früh werden wir schon zum Kilimanjaro aufbrechen, und bei jedem gibts irgendwas (oder eben nicht), was noch fehlt. Wasser zum Beispiel. Und Frühstück für den Gipfeltag. Leo hat eine Haube gebraucht. Maria Filme für ihren Fotoapparat (die altmodische Variante - ihr wisst schon, ohne Display...). Fanni und Karl haben sich mit Müsliriegeln eingedeckt - auch hauptsächlich für den Gipfeltag. 

Der Supermarkt heißt übrigens Shoprite und ist sozusagen weniger ein Hofer sondern mehr ein Meindl am Graben. Für die Weißen und für Touristen. Und für die richtig reichen Schwarzen. Sehr westlich. Dort ist fast alles erhältlich, was man auch in einem durchschnittlichen englischen Supermarkt erwarten würde. 

Am frühen Nachmittag sind wir dann im Hotel angekommen. Was soll ich Euch sagen - die Dusche hat schon was können. Und Haare waschen. Und frisches Leiberl anziehen. Ist das schön! 

Gegen 16.00 Uhr bin ich gemeinsam mit Leo, Herbert und Maria mit dem Taxi (knappe 2 Euro pro Fahrt) zum sogenannten "Craft Market" in Arusha gefahren. Wir haben eigentlich eher einen allgemeinen Markt für jedermann erwartet. Vorgefunden haben wir dann aber eine reine Touristenangelegenheit. Ein Standler neben dem anderen, jeder einzelne verkauft Souveniers. Eigentlich auch so ziemlich jeder das gleiche. Alle sehr aufdringlich. Ein bisschen was hat jeder von uns gekauft, Leo ein bisschen mehr. Und auch mit einigen Einheimischen bin ich wieder ein bisschen ins Plaudern gekommen. Denn die sind auch hier größtenteils sehr, sehr nett. Auch wenn man nix kauft. Und das hat mich dann doch wieder (positiv) überrascht. 

In den paar Minuten, die ich danach noch Zeit hatte, hab ich ein paar "Lebe-noch"-E-Mails in die Heimat und eine Postkarte an meine Omi geschickt (weil sie hat noch kein E-Mail).

Rechts: Abendessen unterm Sternenhimmel im Indischen Restaurant im Hotel Impala in Arusha. Von links nach rechts: Herbert, Robert, Fanni, Karl, Leo und mit dem Rücken zur Kamera Maria. 

Am Abend sind wir nach einer kurzen Kili-Vorbesprechung (in der Hotellobby) indisch essen gegangen. Es hat mir nicht ganz so gut geschmeckt, wie das äthiopische. Aber es verdient eindeutig ebenfalls höchstes Lob.

 

Morgen um 7.30 ist Abfahrt zum Kili. Und ich muss noch packen!

Bis bald und gute Nacht,

Eure Isabelle

 

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