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18. Dezember 2005
Ganz oben am Kibo
 

Berg Heil!

Das war aber ein langer Tag! Er war sogar so lang, dass ein ganzer Tag gar nicht dafür ausgereicht hat. Darum haben wir ihn auch schon gestern begonnen.

Pünktlich um 23.00 Uhr nämlich wurden wir gestern mit einem freundlichen "Hello" vor unseren Zelten geweckt. Naja - wach war ich eigentlich schon, weil ich ca. 10 Minuten vorher vom Lärm einer in der Nähe abgehenden Steinlawine aufgeweckt wurde. Ich hab meinen Zelteingang augezippt und Baltasar stand vor mir, mit heißem Tee und Butterkeksen. Und sogar ein Sandwich hab ich bekommen! Ich hab Robert vor ein paar Tagen gesagt, dass ich nicht sicher bin, ob ich es mit leerem Magen auf den Kibo schaffen werde - weil mir ohne Energiezufuhr wohl die Kraft ausgehen wird, gleich wie am Meru. Und darum hat er mir dieses Frühstück organisiert, was ich ihm SEHR hoch anrechne!

 

5 Minuten nach Mitternacht sind wir vom Arrow Camp auf 4.900 m losmarschiert. Die Nacht war klar und kalt. Mond und Sterne haben ungewohnt viel Licht gespendet, sodass manche von uns sogar ihre Stirnlampen ausgeschaltet lassen konnten. Schon jetzt hatten wir einen tollen Blick hinunter auf das Lichtermeer von Moshi.

Unsere Route, die sogenannte "Great Western Breach Route" war recht steil und felsig, aber technisch recht einfach. Hin und wieder war der Weg vereist, dennoch konnten wir problemlos ohne zusätzliche Ausrüstung weitergehen. Wie schon am Meru hatten so manche von uns mit der Höhe zu kämpfen. Maria zum Beispiel hatte immer wieder mal Kopfschmerzen, Karl hatte Probleme mit dem Gleichgewicht. Ich konnte kaum glauben, wie gut es mir ging. Mein praktisch nur aus Zucker (Erdnussbutter + Marmelade) bestehender Frühstückssandwich hat offensichtlich Wunder gewirkt!

Nur das mit dem Reden ist nicht mehr gegangen. Denn obwohl ich mich körperlich nicht sehr gefordert fühlte, habe ich nicht genug Luft gekriegt, um neben dem Gehen längere Gespräche führen zu können. Es hat gereicht für einen Satz hin und wieder, aber Lebensgeschichte erzählen war nimmer drin. Den anderen ist es ähnlich ergangen - und so sind wir ziemlich schweigsam dahinmarschiert. Das hat mir eigentlich sehr gut gefallen, eine schöne und friedliche Stimmung, in sogar im Dunkeln wunderschöner Umgebung. Mir hat dieser Marsch so gut gefallen - für mich ist die Zeit vergangen wie im Flug. Ich glaube aber, die anderen haben das nicht ganz so empfunden (und doch hin und wieder ein bisschen gejammert).

    

Den ersten und längsten Teil hatten wir gegen 5.00 Uhr geschafft, wir haben den Kraterrand auf ca. 5.700 m erreicht. Tolles Gefühl, das erste Mal über die weite Ebene zu sehen, nach 5 Stunden Stein vor den Augen. Mit dem ersten Schritt hinaus aus dem Schutz des Hanges ist uns eiskalter Wind um die Ohren gepeitscht. Ich hab mich über den Teilerfolg gefreut - tief eingeatmet, und - kaum mehr Luft gekriegt! Alle haben sich gefreut und geplaudert, aber ich? Da is nimmer viel gegangen...

Von früheren Asthma-Attacken weiß ich noch gut: 1. Gebot: ruhig bleiben und weiteratmen, 2. Gebot: entspannen. Hat auch hier funktioniert. Sobald ich wieder Luft gekriegt hab, ist mir kalt geworden. Die Temperatur lag um die - 10 °C, und der Wind war eisig kalt - was soll ich sagen - Shira Plateau nix dagegen...

Aber dann hab ich endlich meinen Kopf gehoben und mich einmal richtig umgesehen. Wir standen auf einer weiten Ebene aus Lavagestein. Der Boden war bedeckt mit feinem und (nicht nur bei Nacht) fast schwarzem Sand. Und mitten aus diesem Untergrund trat ein Gletscher hervor (siehe Foto rechts). Fast unpassend - denn Schnee und Eis gibt es in unmittelbarer Umgebung nicht.

"Gemma raus aus dem Wind" hat Robert gemeint und Richtung Westen gedeutet. Wir sind also weiter marschiert, vorbei am Gletscher, bis zu einem Camp, das windgeschützt fast direkt beim Aufstieg zum Gipfel liegt. Ich hab auf die Zelte gesehen und mich kurz gefragt, wie viele Schichten ich wohl hier gebraucht hätte...

Im Windschutz des Bergs haben wir beim Camp eine kurze Pause gemacht. Ich war hungrig und hab eine Kleinigkeit gegessen. Dazu musste ich mir die Fäustlinge ausziehen, was trotz der beiden verbleibenden "Handschuh-Schichten" zur Folge hatte, dass innerhalb weniger Minuten meine Finger total eingefroren sind.

Glücklicherweise sind wir bald weitermarschiert, wieder recht steil bergauf, zum letzen Stückchen hinauf auf den Kibo. Hier hab ich schon immer wieder gespürt, wie schwer das Atmen inzwischen war. Fanni hatte Magenprobleme. Robert ging an ihr vorbei, als er vom Anfang der Gruppe zum Ende ging, um zu sehen, ob es allen gut geht. Obwohl wir alle wußten, dass es nur noch wenige Minuten bis zum Gipfel sind, hat Fanni nur zu Robert gesagt: "Oh - du gehst zurück? Super - da komm ich gleich mit!". Ich konnte kaum glauben, dass so kurz vorm Ziel noch jemand ans Aufgeben denken kann. 

Denn seit dem Kraterrand war für mich eigentlich klar, dass wir alle bis ganz nach oben steigen. Ihr muss wirklich unglaublich übel gewesen sein...

Links: unsere Grenzen. Karl hatte Schwindelanfälle, Fanni war schlecht. Maria (Foto) war erschöpft und Herbert war auch schon ziemlich erledigt. Ich hab immer wieder Atemprobleme gehabt. Nur Leo haben Höhe und Kälte offensichtlich nichts ausgemacht. So konnte er auch so viele gute Fotos machen. DANKE Leo, auch für dieses hier!

 

Dann sind wir endlich an das obere Ende des Hangs gelangt und wieder plötzlich im Wind gestanden. Von dort führt der Weg ca. 100 m relativ eben bis zum Gipfel.

 

Und plötzlich war sie weg. Ich hab gesucht und gesucht, aber: nix mehr mit Luft. "Ruhig bleiben" hab ich mir nur gedacht. "Geht gleich wieder, war ja unten das gleiche...". Robert und Sared haben schnell bemerkt, dass ich mich auf der Suche befand - und zwar nicht nach dem Gipfel.

 

Meine Suche nach Luft. Robert und Sared haben geholfen.

Was soll ich Euch sagen... Ostern nix dagegen!

Die letzten und hamlosen Meter zum Gipfel

Tolles Foto Herbert, VIELEN DANK!

 

Aber auch diese Atemnot war nach wenigen Minuten wieder vorbei und so sind wir die letzten paar Meter zum Gipfel marschiert. Und das war schon ein Gefühl sag ich Euch.

GRATULATION!

Sie befinden sich nun auf

UHURU PEAK, TANZANIA, 5895 M SEEHÖHE

Afrikas höchster Punkt

Der höchste frei stehende Berg der Welt

Einer der größten Vulkane der Welt

WILLKOMMEN!

Ein Gipfelfotoversuch:

Die aufgehende Sonne hat geblendet.

Eine andere Gruppe hat lautstark das Schild eingefordert. Weil denen ist auch nicht wärmer gewesen als uns.

Und so ist das hier das beste Gipfelfoto - mit Schild - das geschossen wurde. In diesem Fall von Herbert. DANKE!

Rechts: Für alle, die Schnee am Kilimanjaro suchen: VOILA - hier ist er! Dahinter strahlt die aufgehende Sonne auf den östlichen der 3 Krater des Kilimanjaro. Er heißt Mawenzi und ist mit 5.149 m Höhe auch kein Zwergerl. Angeblich war er einmal über 6.000 m hoch, viel Lawagestein wurde aber witterungsbedingt abgetragen. Ihn zu besteigen ist schwierig und erfordert Klettern, scheint sich aber wegen der faszinierenden Landschaft und den Ausblick auf die Überbleibsel eines ehemaligen Kratersees zu lohnen

Etwas abseits des Schildes hatten wir etwas mehr Zeit für Gruppenfoto.

Dieses hier ist eines der letzten Fotos, die Herbert machen (lassen) konnte (und wieder: DANKESCHÖN!).

Wenige Minuten später hat auch seine Kamera den Geist aufgegeben.

 

Unvergessliche Minuten oben am Kibo. Rund um den Gipfel erstrecken sich Gletscher und Eisfelder.

 

Trotz strahlendem Sonnenschein hatte es nur ca. - 15 °C und der Wind ist durchgepeitscht wie nur was. Die Vernunft sagt einem eigentlich, dass man runter in ein windgeschütztes Gebiet gehen soll. Das Herz aber kann mit schauen gar nicht aufhören. 

In Leos Fall konnte das Herz auch mit Fotografieren nicht aufhören. Er hat so viele geniale Fotos gemacht, ich hab mir schwer getan, die besten herauszufiltern.

Links: das ist eines meiner Lieblingsfotos. Hinter dem sog. "Southern Icefield" ragt der Meru zwischen den Wolkenfeldern hervor. Vor genau einer Woche sind wir dort oben gestanden! Wie klein er plötzlich aussieht! Leo, DANKE für diese Aufnahme!

  

Irgendwann ist es uns aber dann halt doch ein bissl frisch geworden und wir haben unseren Weg hinunter angetreten. Oder angerutscht bessergesagt. Weil unsere Abstiegsroute, die sogenannte Mweka Route, hat uns heute fast ausschließlich über Schotter und Geröllfelder 2.000 Höhenmeter bergab geführt. 

 

Die Mweka Route, die wir für unseren Abstieg wählten.

Schon nach wenigen Minuten waren wir komplett "eingestaubt".

Fanni und ich beim Abstieg.

Meinen Knien zuliebe hab ich heute Stöcke verwendet - Gratis-Leihgabe von den Bergspechten!

 

Bei der sog. Barafu Hut auf 4.500 m haben wir eine kurze Pause gemacht und sind danach weitermarschiert zum "Milleniums Camp" auf 3.900 m, wo wir unsere letzte Kili-Zeltnacht verbringen werden. Gegen Mittag sind wir dort angekommen. Voller Eindrücke. Und natürlich auch voller Staub.

So haben wir den Nachmittag damit verbracht, unsere staubigen Sachen auszubeuteln und nasse Kleidung zu trocknen. Die meisten haben sich ein bisschen hingelegt, ich war aber topfit und gar nicht müde und hab mich daher eher gelangweilt.

Schönes Gefühl, oben gewesen zu sein. Und auch ein schönes Gefühl, nicht sofort wieder heimfliegen zu müssen, sondern noch 3 Tage in Afrika bleiben zu können. Noch bevor wir diesen "Trip" richtig beendet haben, freu ich mich schon riesig auf Dienstag und Mittwoch, wenn wir auf Safari fahren.

Auf ein richtiges und warmes Bett, eine Dusche und frische Kleidung freu ich mich allerdings auch schon ziemlich.

Schöne Grüße und bis morgen!

Isabelle

  

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