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15., 16. und 17. Februar 2005
REES-DART-TRACK, oder mit anderen Worten:

Wasser, Wasser, Wasser, Wasser, ...

 
Ein erschöpftes Hallo!

Die Wanderung, die wir für diese 3 Tage vorhatten ist eigentlich eine 4-Tages-Wanderung und wird folgendermaßen vorgeschlagen:

Tag 1: Transport mit dem Shuttlebus zum Startpunkt des Tracks (= Wanderweg). 16.5 km Wanderung zur ersten Hütte namens Shelter Rock Hut. Angegebene Dauer: 6 - 8 Stunden

Tag 2: Steile 9 km Wanderung von der Shelter Rock Hut zur zweiten Hütte namens Dart Hut. Angegebene Dauer: 5 bis 7 Stunden

Tag 3: 15,5 km Wanderung von der Dart Hut zur dritten Hütte namens Daleys Flat Hut. Angegebene Dauer: 6 bis 8 Stunden

Tag 4: 16 km Wanderung von der Daleys Flat Hut zum Zielpunkt. Von dort Abholung mit Shuttlebus am frühen Nachmittag und Rückreise zum Hotel.

Wie bei praktisch all den Wanderungen, die wir bis jetzt so unternommen haben, haben wir uns damit ein wenig unterfordert gefühlt. Außerdem befinden sich Start und Ziel dieser Wanderung nicht am gleichen Punkt. Der Shuttlebus hätte uns insgesamt NZ $ 70,- (ca. € 40,-) gekostet, um dies uns schon ziemlich leid getan hätte. Und der Zeitfaktor lässt uns natürlich auch nicht kalt, immerhin wird Christian schon am 2. März per Flugzeug die Südinsel verlassen, und wir wollen bis dahin noch möglichst viel miteinander unternehmen. Und da wir

  1. ned mitn Schiabl rennan (Christians Kommentar) und
  2. keine Weicheier sind (Isis Kommentar)

haben wir beschlossen, die ganze Geschichte ein wenig auf unsere Verhältnisse umzumodeln und zwar wie folgt:

Tag 1: ca. 20 km Marsch vom Hotel zum Startpunkt der Wanderung und Wanderung zur Shelter Rock Hut.

Tag 2: Wanderung von der Shelter Rock Hut zur Dart Hut, dort Mittagspause. Danach Weitermarsch zur Daleys Flat Hut.

Tag 3: Wanderung von der Daleys Flat Hut zum Zielpunkt und von dort ca. 25 km Marsch zurück zum Hotel.

Abgelaufen ist die Geschichte dann folgendermaßen:

 

TAG 1:

Wir sind am Dienstag - etwas später als geplant - mit vollem Gepäck für 3 Tage in Glenorchy losmarschiert. Wieder hatten wir Kleidung, Toiletartikel, Schlafsäcke, Lebensmittel, Geschirr und diesmal sogar einen Gaskocher dabei (die Hütten auf diesem Track hatten leider keine Kochmöglichkeiten). Den Startpunkt des Tracks haben wir gegen 14.30 Uhr erreicht. Schon die Straße zum Startpunkt hat uns durch einige knöcheltiefe Flüsse geführt. Schöne Herausforderung für Isi - vom 8. Februar nach wie vor leicht nervös beim Anblick bzw. Durchqueren von Flüssen. Doch das sollte es noch nicht gewesen sein! Denn schon bald hat uns der Weg in eine Art Sumpflandschaft geführt. Es ist immer glitschiger und matschiger geworden. Wir haben versucht, dem Matsch etwas zu entkommen, indem wir auf die angrenzenden Hügel geflüchtet und dort entlang gegangen sind. Dabei mussten wir uns teilweise durch tiefste Vegetation schlagen und haben dieses Vorhaben schließlich zu Gunsten des immer tiefer werdenden Matsches aufgegeben. Das Ganze Hin und Her - verbunden mit einigen Schuhwechseln - hat uns ziemlich viel Zeit gekostet.

Wir wurden schon ein bisschen skeptisch,

als sich uns dieser Ausblick geboten hatte...

Und wir wurden bestätigt. An einer der

trockensten Stellen hab ich mal kurz die

Kamera ausgepackt um dieses Foto zu schießen.

Doch egal wo - wenn man länger als ein paar

Sekunden stehen bleibt, beginnt man langsam

zu versinken...

 

Bereits nach 17.00 Uhr gelangten wir zu einem Wegweiser zur sog. "25-Mile-Hut". Diese Hütte wird in unserem Wander-Reiseführer namens "Lonely Planet" wie folgt beschrieben: "This hut is in poor condition and not a very inviting place to spend the night". Doch vor uns lagen noch 4 Stunden wandern zur Shelter Rock Hut, darum haben wir beschlossen, am nächsten Tag weiter durch den inzwischen knietiefen Matsch zu waten und die Nacht in der 25-Mile-Hut zu verbringen. Wir haben uns vorgenommen, bereits im Morgengrauen aufzubrechen, um unser "Defizit" wieder aufzuholen. Als wir in der 25-Mile-Hut ankamen, stellten wir fest, dass der "Lonely Planet" mit der Umschreibung der Hütte doch etwas untertrieben hatte. Die schmutzigen und verstaubten Matratzen waren durchlöchert bzw. teilweise angebrannt, es war alles voller Dreck und die wenigen in den 3 Stockbetten vorhandenen Lattenroste hatten eher die Form einer Hängematte. Wir fanden eigentlich nur eine brauchbare Matratze, welche wir so gut wie möglich ausbeutelten. Die dadurch entstehende Staubwolke hats in sich gehabt sagen wir Euch - Wüstensandsturm nix dagegen.

Die 25-Mile-Hut von außen...

 

Drinnen wars nicht besser - das war die "Feuerstelle". Christian war versucht, Feuer zu machen, aber dann hatten wir doch Angst, die Hütte in Brand zu stecken...

 

Rechts unten das Bettchen, das uns noch am

zumutbarsten erschienen ist... Links oben hat

sichs später Matthias "bequem" gemacht.

 

So schlimm die Hütte (rechts unten) ausgesehen

hat - der Blick , der sich uns am Abend noch

geboten hat, hat schon was können...

 

Kein Klo oder Waschmöglichkeit, nur 2 Regenwassertonnen außerhalb der Hütte. Wir haben uns mit unserem Gaskocher Makkaroni mit Käse gekocht. Bereits nach 22.00 Uhr - wir haben schon fast geschlafen - hats an der von innen versperrten Tür gepoltert (das kann auch nix...). Als wir öffneten, stand ein Chilene vor uns, der am Fluss mit seinem Kajak unterwegs war. Matthias (das war sein Name) hat sich nur umgesehen und gemeint: "Oh! - That's not too bad!" und sich eine (noch schlimmere als unsere) Matratze geschnappt. Nach unzähligen Sandfly- und Mosquito-Attacken haben wir die Nacht hauptsächlich damit verbracht, den Mäusen dabei zuzuhören, wie sich sich über unsere Essensvorräte hermachten.

Doch dem noch nicht genug - kurz nach Mitternacht hat es begonnen, richtig schlimm zu regnen. Zu unserer Überraschung war die Hütte dicht, aber unser Plan, unsere "Schlammschlacht" in aller Früh fortzusetzen fiel damit natürlich im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

 

TAG 2:

Als wir in der Früh in unserem nicht so bequemen Bettchen aufgewacht sind und dem aufs Bruchbudenblechdach prasselnden Regen gelauscht haben, war dringend ein kurzes "Brainstorming" angesagt. Zuerst haben wir übers Umkehren nachgedacht (eher Isi). Und dann darüber (eher Christian), den Tag in der 25-Mile-Hut zu verbringen (weils dort so schön ist), um den Regen auszusitzen. Doch gegen 10.00 Uhr vormittags hat es plötzlich zu regnen aufgehört. Wir haben beschlossen, einmal loszumarschieren - mindestens zur Shelter Rock Hut - besser noch zur Dart Hut. Also sind wir weiter durch die nassen und schlammigen Wiesen gewatet - Gatsch mit Kuhmist vermischt - wieder knietief versteht sich. Schon bald haben wir die nächsten - am Vortag noch so verhassten Flussüberquerungen herbeigesehnt - als Gelegenheit, Füsse und Schuhe wieder zu reinigen.

 

Nach ca. 1,5 Stunden hat sich endlich das Gelände verändert. Wir kamen in den Wald, die große Schlammschlacht hatte vorerst ein Ende. Auch das Wetter wurde relativ gut, so dass wir gegen 14.00 Uhr die Shelter Rock Hut erreichten.

Links: Endlich. Raus aus dem Gatsch und rauf auf den Berg

Dort haben wir gegessen und sind dann bei starkem Wind über den sogenannten Rees Saddle zur Dart Hut marschiert, wo wir gegen 19.00 Uhr ankamen.

Rechts: Toller Ausblick auf einen Gletscher namens Curzon Glacier am Weg zur Dart Hut am Nachmittag.

Links: Am Ende des Marsches trennte uns nur noch diese "Brücke" von der Dart Hut (rechts). Ein Warnschild sagte: "WARNING! Extreme caution required when crossing the bridge in high winds." Aber wir hatten Glück - es war grad nicht besonders windig. Außerdem machen  Hunger, erschöpfte, nasse Füße und die Aussicht auf ein richtiges Klo ziemlich mutig...

Oben: Das tut gut - 3 Toiletten mit Waschbecken davor! Und das tollste: Nix Plumpsklo - alles mit Spülung!!!

Rechts: Die Dart Hut aus der Nähe. Im Vergleich mit der 25-Mile-Hut kam sie uns wie ein 5-Sterne-Hotel vor (mit Ofen zum Schuchi trocknen!!!).

 

TAG 3:

Als Isi, die nicht mehr schlafen konnte, gegen 6.15 Uhr aufstand, war das Wetter eigentlich noch ganz ok. Gegen 7.00 Uhr - Überraschung! - hat es dann zu regnen begonnen. 

Vor den für diesen Tag anstehenden Flussüberquerungen wird eindringlich gewarnt - während bzw. nach starken Regenfällen sollen die Flüsse schnell und stark anschwellen und dadurch unpassierbar werden.

Rechts: Schöne Landschaft sogar im Regen...

Links: ... aber halt trotzdem waschelnass und darum ein bissi angefressen...

Darum haben wir auch ein entsprechendes Tempo vorgelegt, als wir um 8.30 Uhr im strömenden Regen die Dart Hut verließen. Die Flussüberquerungen im Regen waren kein großes Problem. Nass waren wir ohnehin schon, da war das Marschieren durchs Wasser auch schon egal. 

Unten: Richtig schön wurde es dann, als es um die Mittagszeit zu regnen aufhörte. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch ca. 1 Stunde bis zur nächsten Hütte zu gehen

Entsprechend früh kamen wir daher in der Daleys Flat Hut an, nämlich gegen 13.00 Uhr. Eigentlich hatten wir in der Früh eher geplant, dort noch eine Nacht zu verbringen und am nächsten Tag zurück nach Glenorchy marschieren. 

Doch die Versuchung war groß: Gegen 14.00 Uhr kam die Sonne wieder heraus, wir waren wieder trocken und topfit und gegessen hatten wir auch schon. Also haben wir nach kurzer Absprache beschlossen, weiterzugehen zum Ende des Tracks und zu hoffen, dass danach bald jemand unseres Weges kommt, der uns mit dem Auto bis Glenorchy mitnimmt. Zumindest waren wir damit wieder im ursprünglichen Zeitplan und die im Voraus bestellte und bezahlte Nacht in unserem Backpackers hätten wir auch nicht verfallen lassen müssen.

Gesagt - getan - um 14.15 Uhr sind wir aufgebrochen. Nach ca. 50 Metern kam ganz was Tolles und endlich einmal was Neues: Wasser! Der Weg führte durch eine Wiese, die unserer Sumpflandschaft vom ersten Tag ähnelte. Wir mussten wieder durch knöcheltiefes Wasser waten - aus der Traum von ein paar Minuten (oder sogar Stunden) mit halbwegs trockenen bzw. warmen Füssen. 

Und - dem nicht genug - hat es nach ca. 30 Minuten wieder zu regnen begonnen. Als wir endlich am Trackende angelangt waren - wieder triefend nass versteht sich - war es bereits 19.00 Uhr.

Rechts: Ausblick am Nachmittag. Der "Slip Stream" mündet im strömenden Regen in den "Dart River".

Nach einer kurzen Pause haben wir uns auf den Weg nach Glenorchy gemacht und bald festgestellt, dass auf dieser Straße kein Mensch unterwegs ist.

Links: Beeindruckendes Wolkenspiel, als es abends wieder zu regnen aufhörte...

Nur Unmengen von Kühen sahen uns beim Heim-Marsch zu, während es langsam dunkel wurde. Wir hatten ursprünglich mit einem 4-Stunden-Marsch gerechnet, bemerkten aber mit der Zeit, dass wir uns doch grob (zu unserem Nachteil) verschätzt hatten. Um das Ganze spannender zu gestalten, sind uns dann noch beide Taschenlampen wegen leeren Batterien ausgefallen.

Gegen 23.00 Uhr ist uns ein Farmer mit dem Auto entgegengekommen, der sich bereit erklärte, uns nach Glenorchy zu fahren (wir haben uns dafür mit NZ $ 20,-) bei ihm bedankt. Während der Fahrt haben wir festgestellt, dass wir mindestens noch 3 Stunden marschieren hätten müssen - was ohnehin nur noch theoretisch möglich gewesen wäre. Fix und fertig, mit schmerzenden und blasenübersäten Füßen waren wir dann gegen Mitternacht in unserem Backpackers, wo wir uns in dieser Reihenfolge ein Bier, eine Dusche und ein Schläfchen gönnten. Später haben wir ausgerechnet, dass wir an diesem Tag zwischen 47 und 50 km marschiert sind.

 

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