| 19. Februar 2005 | |
| Ein Regentag in Milford Sound | |
| Hallo alle
zusammen!
Nachdem wir beim Rees-Dart-Track so absolut aus der Reihe getanzt haben, stand für heute das genaue Gegenteil am Programm: mia san mitn Schiabl grennt (so gut das mit den Blasen an den Füssen halt ging...). Eventuell wissenswerte Zusatzinfos gibts am Ende dieses Eintrags, bzw. kommt ihr automatisch dorthin, wenn ihr die blau unterstrichenen Stichworte anklickt. Für heute haben wir eine Busreise zum bekanntesten und meistbereisten Fjord Neuseelands, dem Milford Sound gebucht, plus ca. 2-stündige Schiffsfahrt durch den Fjord. Ich bin da vor 3 Jahren durchgefahren, während ich am Schiff gearbeitet hab. Ich hatte das als atemberaubend schön in Erinnerung, nur war es damals ein bisschen bewölkt, darum dachte ich mir, ich muss mir das unbedingt mal bei schönerem Wetter ansehen. Und als wir gestern in Queenstown diese Tour gebucht haben, war ich irgendwie noch der Meinung, das wir das auch haben werden... Wir wurden bereits um 7.10 Uhr vom Shuttle-Bus in Te Anau abgeholt, der nach ein paar weiteren Touristen-Abhol-Stopps Richtung Milford Sound aufgebrochen ist. Der Straße nach Milford Sound führte uns schon relativ bald in den "Fiordland National Park". Leider wurde es zunehmend bewölkter und bald schon begann es zu tröpfeln. Unser allwissender Busfahrer hat uns erklärt, dass das das Ende der gestrigen Schlechtwetterfront ist, und es schon bald aufreißen und schöner werden wird. Was bei dem im Milford Sound üblichen Klima sowieso ein Riesenglück sei... Im Fiordland National Park angekommen haben wir schon bald bei den sogenannten "Mirror Lakes" den ersten Fotostopp gemacht. Die Mirror Lakes sind kleine Bergseen, die für ihre schönen Spiegelungen bekannt sind. Da das Wetter nicht so mitspielte, waren die Spiegelungen auch nicht so unglaublich, aber schön wars trotzdem. |
|
![]() |
|
| Nach ein paar anderen, netten aber unspektakulären Knips-Zwischenstopps sind wir gegen 10.00 Uhr beim Besucherzentrum und Bootshafen eingetroffen, wo wir mit einem Boot gemeinsam mit ca. 20 anderen Touristen die Fahrt durch den Fjord angetreten haben. | |
![]() |
Das Wetter wurde immer schlechter, der Regen immer stärker. Uns hat sich langsam der Verdacht aufgedrängt, dass das Ende der gestrigen Schlechtwetterfront gerade auf den Anfang der morgigen getroffen ist... Trotzdem - oder gerade deshalb haben die Berge links und rechts von uns toll ausgesehen... |
![]() |
|
| Nach kurzer Zeit sind wir auf ein paar Delphine (eine Rasse namens Dusky Dolphins oder auf Deutsch "Große Tümmler") getroffen, die uns ein bisschen begleitet haben. Es war auch eine ganz süße "Familie mit Kind" dabei (Foto rechts). Sie sind relativ lange direkt neben unserem Boot dahingeschwommen und hatten sichtlich ihren Spaß. Den kleinen in der Mitte haben sie keine Sekunde unbeaufsichtigt gelassen. | |
![]() |
|
| Unser Weg hat uns vorbei an unzähligen schönen Wasserfällen geführt, die größtenteils direkt ins Meer geflossen sind. Unsere Knipsfreude hat sich aufgrund der relativen Luftfeuchte draußen in Grenzen gehalten. Die meiste Zeit haben wir innen im Boot verbracht und die tolle Natur aus dem Trockenen durchs Fenster beobachtet und genossen. Das Wasser hatte eine interessante Farbe, die sich vermutlich dadurch ergibt, dass es oben Süß- und unten Salzwasser ist. Ich muss schon zugeben, dass auch der Regen und Nebel was hatten - macht das Ganze ein bisschen mystisch und geheimnisvoll. | |
| Auch an ein paar sog. "Neuseeland Seebären" sind wir vorbeigekommen. Denen war der Regen ziemlich wurscht, die sind herumgelegen und haben sichs gut gehen lassen. Leider sieht man sie am Foto nicht so gut, die Felsen gaben eine ganz gute "Tarnung" ab. |
| Am Rückweg
nach unserer kleinen Bootsfahrt sind wir bei einem Punkt namens "The
Chasm" stehen geblieben. Dort stürzt sich der durchs Fjordland
fließende "Cleddau River" beeindruckend durch eine schmale,
22 m tiefe Schlucht.
Rechts: dieses Foto zeigt den Cleddau River vor "The Chasm". Unten: Das Foto wurde von oben aufgenommen - in die Schlucht hinunterblickend. Über die Jahre hat das Wasser interessante Formationen in die Steine gespült. |
|
![]() |
|
|
Oben: Der Weg zu "The Chasm" (ca. 15 Minuten blasengebremste Gehzeit) hat uns durch ein kleines Stück des im Fjordland so beeindruckenden Regenwaldes geführt |
|
| Der Bus hat noch ein paar Fotostopps gemacht, wobei mir die dabei vermittelten Informationen nicht interessant genug erscheinen, um sie hier zu "archivieren". Doch bei einem eben jener Stopps ist uns ein lustiger, etwas zerfledderter Kea begegnet. Und den wollte ich Euch nicht vorenthalten (Foto rechts). | |
![]() |
Rechts: Das war auch noch ein beeindruckender Wasserfall am Rückweg. Das Foto hat Christian geschossen - Isi war schon so müde vom dauernden Ein- und Aussteigen und Foto schießen, dass sie dieses Mal beinhart im Bus sitzen geblieben ist. Er ist zwar toll - aber im Endeffekt ist es halt auch nur einer der vielen tausend in Neuseeland so schönen und beeindruckenden Wasserfälle... |
| Morgen wollen wir die nächste
3-Tages-Wanderung beginnen, den sog. Kepler-Track. Darum haben wir uns
nach unserer Rückkehr in unser Motel auch bald ans packen und
vorbereiten gemacht. Wir hoffen sehr, dass das Wetter besser wird. Denn
noch 3 Tage Nässe würden uns dann vielleicht doch ein wenig auf die
Stimmung drücken...
Wir melden uns nach dem Kepler-Track wieder und schicken Euch bis dahin viele herzliche Grüße! Christian und Isabelle |
| Hier gibts zusätzliche Info zum Milford
Sound,
die den einen oder anderen vielleicht interessieren könnte. Diese Info wurde nicht direkt in den Tagebucheintrag integriert, weil sie mit unseren Erlebnissen nicht so viel zu tun hat, aber möglicherweise trotzdem ein paar Fragen beantwortet. Außerdem ist sie (allerdings nicht 1 : 1) von einer Milford-Sound-Info-Broschüre gestohlen und stammt nicht aus Isis oder Christians Feder, was man ja auch klar trennen will...
WAS GENAU IST EIGENTLICH EIN FJORD? Ein Fjord ist ein vom Eis ausgeschnittenes, typischerweise schmales und steiles Tal, das nach dem Rückzug des Gletschers vom Meer überspült wurde.
Der Fjordland-Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von 12.500 km2. Aufgrund seiner steilen, zerklüfteten Topographie, seiner wilden Küste, seinem dichten Wals und seinem rauen Klima ist dieses Gebiet kaum durch Straßen und Ansiedlungen erschlossen. Das Fjordland wurde 1986 wegen seiner herausragenden natürlichen Merkmale, seiner außergewöhnlichen Schönheit und seiner Rolle als Beispiel für die Entwicklungsgeschichte der Erde zu einem Weltnaturerbe erklärt. Später, im Jahre 1990, wurde das Fjordland mit den Nationalparks Mount Aspiring, Westland und Aoraki/Mount Cook unter dem Namen "Te Wahipounamu/Sourth-West New Zealand" zu einem erweiterten Weltnaturerbe zusammengefasst. Das Fjordland liegt an einer Bruchspalte in der Erdkruste, wo die pazifische und die australische Kontinentalplatte aufeinander treffen. An dieser Verwerfungslinie, der "Alpine Fault", taucht die australische Erdplatte unter der pazifischen Platte weg. Die Apine Fault verläuft an der Westküste entlang und zweigt am Eingang des Milford Sound vom Land ab. Durch das Aufeinandertreffen der beiden Erdkrustenplatten wird die pazifische Platte nach oben gedrückt, wodurch die Südalpen entstanden sind. Deswegen ist das Fjordland eine geologisch sehr komplexe Region mit gefleckten Granitgesteinen und verwandtem magmatischem Gestein. Im Gebiet des Milford Sound ist das Gestein vorwiegend Gneis, ein metamorphisches Gestein, das unter hohem Druck entsteht. Vor zwei Millionen Jahren, als sich das Klima der Erde abkühlte, begannen die Eiszeiten. Die Landschaft des Fjordland wurde unter Schnee begraben, der sich in Eis verwandelte. In den Tälern wie dem des Milford Sound bildeten sich Gletscher, die sich ihren Weg zum Meer hinunter bahnten. Wärmere Perioden wechselten sich mit kälteren ab, so dass sich die Gletscher mehrere Male zurückzogen und dann wieder vorrückten, und bei jedem Vorrücken verformten sie die Landschaft, indem sie die Täler vertieften und die Talseiten abschliffen.
Der Fjordland-Nationalpark ist eines der feuchtesten Gebiete der Erde, wobei es am Milford Sound jährlich durchschnittlich 6000 mm Niederschläge gibt. Bei schweren Regenfällen ergießen sich Wasserfälle an den steilen Wänden des Fjords hinunter, und aus idyllischen Bächen werden reißende Ströme. Die kühlsten Monate sind Mai bis August, wenn die Tagestemperaturen zwischen 4 und 10 Grad Celsius liegen. Die Wintersonne steht nur flach über der Landschaft, so dass sich durch den Frost auf den schattigen Talgründen Eis bildet. November bis Februar sind die wärmsten Monate, und an sonnigen, geschützten Stellen können die Temperaturen über 25 Grad erreichen. Unabhängig von der Jahreszeit sollte man auf alle Wetterbedingungen eingestellt sein, da das Wetter rasch umschlagen kann - zum Schlechten wie zum Guten. Mit dem Meerwasser im Milford Sound und den anderen Fjorden in dieser regenreichen Region passiert etwas Merkwürdiges. Im vergleichsweise ruhigen Fjord verfügt es an der Oberfläche über eine Schicht frischen Wassers, das die Farbe von Tee hat. Dieses Wasser, das von den Bergen heruntergeströmt kommt, ist weniger dicht als Meerwasser und bildet eine Schicht, die auf dem Salzwasser schwimmt und sich nur teilweise mit ihm vermischt. Auf seinem Weg zum Fjord durch Flüsse, Bäche und Wasserfälle wird das Regenwasser durch Tannine und andere vom Waldboden stammende organische Stoffe gefärbt. Diese 2 - 3 m tiefe Frischwasser-"Linse" mit geringer Salzhaltigkeit fungiert wegen ihrer Färbung als Lichtfilter. Da somit viel weniger Licht das Meerwasser durchdringt (eine Tiefe von 10 m im Fjord entspricht einer Tiefe von 70 m an der Küste), können hier Meerestiere, die an Dunkelheit gewöhnt sind, in weit geringeren Tiefen leben. Der Großteil der vielfältigen und einzigartigen Meeresfauna ist in den oberen 40 Metern zu finden, dem so genannten "40-m-Band".
Diese Säugetiere werden bis zu 3,8 m groß und ernähren sich von Fisch und Tintenfisch. Sie sind echte Delphine, da sie über kegelförmige Zähne an beiden Kiefern und kurze, gedrungene Schnäbel verfügen.
findet man im gesamten Fjord. Sie wurden in der Vergangenheit wegen ihres Fells und Fetts fast bis zur Ausrottung gejagt, stehen jetzt aber unter Schutz, so dass sich die Zahlen beständig erholen. Diese Robben sind hervorragende Schwimmer und können bis zu 230 m tief tauchen. Sie nehmen nachts Nahrung auf, vor allem Tintenfisch, Kraken und Barrakuda.
Auf beiden Seiten der Straße nach Milford ist die Landschaft in kühlgemäßigten Regenwald gehüllt, dicht wie ein Dschungel und komplett mit Lianen, Wurzelkletterern, Aufsitzerpflanzen und Farnen, darunter auch Baumfarnen. Die dominierende Baumart hier ist die Südbuche Silver Beech (tawhai), die die feuchten Bedingungen im Fiordland bevorzugt. Man kann sie leicht erkennen - die junge Silver Beech verfügt über eine ins Auge fallende silbrige oder weiße Borke. Ihre Blätter sind gezackt und haben etwa die Größe eines kleinen Fingernagels. Unter günstigen Bedingungen können diese Buchen bis zu 25 m hoch werden. Außerdem kann man an der Straße nach Milford auch Mountain Beech und Red Beech sehen. Außerdem streiten an verschiedenen Abschnitten der Straße zum Milford Sound, dort, wo der Boden am fruchtbarsten ist, Podocarpaceen, hauptsächlich Rimus, um Platz in den Wäldern. Rimu-Bäume (Trauerzypressen) werden bis zu 50 m hoch und haben eine dunkelbraune, flockige Borke sowie nach unten hängende Blätter. Schöne Exemplare dieser Baumart und auch kleinere, breitblättrige Laubbäume wie Five-finger und Marble Leaf kann man bei The Chasm finden. |