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20., 21. und 22. Februar 2005
Der KEPLER-TRACK, oder mit anderen Worten:

Ein Erholungsspaziergang in 3 Teilen

 
Wir grüßen wieder nach einer tollen Wanderung!

Nach wie vor sind wir im Südwesten der Südinsel, im sogenannten Fjordland, in einem Ort namens Te Anau. Für diese 3 Tage hatten wir eine sehr populäre und stark frequentierte Wanderung eingeplant, den sogenannten Kepler-Track, der hier in Te Anau startet. Das wäre eigentlich wieder eine 4-Tages-Wanderung gewesen, aber Ihr wisst ja...

Der Kepler-Track ist insgesamt 60 km lang (wir sind nur 51 km davon gegangen) und wurde angelegt, um andere, bereits maßlos überlastete Tracks in der Gegend zu entlasten. Der Milford Track im Milford Sound z.B. ist trotz astronomischer Preise viele Monate im Voraus ausgebucht. Die Hütten am Kepler-Track sind für das was sie bieten eigentlich auch nicht gerade billig: NZ $ 30,-- (ca. € 18,-) pro Person und Nacht mussten wir über eine Woche im Voraus berappen - Storno (mit 80 % Rückerstattung) ist nur aus gesundheitlichen Grünen möglich.

Am Track liegen insgesamt 3 Hütten: die Luxmoore Hut (55 Schlafplätze), die Iris Burn Hut (50 Schlafplätze) und die Moturau Hut (40 Schlafplätze). Die Hütten sind alle mit großen Stockbetten ausgestattet, in welchen matratzenlagerartig jeweils bis zu 4 Schlafplätze nebeneinander liegen. Bettwäsche gibt es (noch?) keine, man benötigt Schlafsäcke. In diesen 3 Hütten gibt es Gaskocher und Wasser aus Flüssen bzw. Seen, das Essen muss man sich mitnehmen. Komfortabler weise gibt es sogar Wasserklosetts und elektrisches Licht am Abend (sonst aber keinen Strom).

Nach wie vor etwas bedient vom Rees-Dart-Track war diese Wanderung genau das, was wir gebraucht haben. Kurz zusammengefasst kann man sagen: Der Track war nicht wirklich anspruchsvoll (wird auch für ältere Leute und Kinder empfohlen) hat uns aber trotzdem die zum Wohlbefinden notwendige Bewegung verschafft. Mit dem Wetter hatten wir großes Glück - besser wärs praktisch nicht mehr gegangen. Hier die 3 Tage im Detail:

TAG 1:

Entlang des Lake Te Anau (rechts) auf ca. 200 m Seehöhe führt der Weg vorerst eben und dann bergauf in Richtung des Mt. Luxmore, auf dem sich unsere erste Hütte, die "Luxmoore Hut" auf 1.085 m befindet. Nachdem wir uns in der Luxmoore Hut zwei Betterln im Matratzen-Lager reserviert haben, ...

Links und rechts oben: der Lake Te Anau von oben - und noch ein bisschen weiter oben...

Links: Schönes Farbenspiel - Stein mit Flechten bewachsen.

... sind wir uns die 10 Minuten entfernt liegende Luxmoore Cave ansehen gegangen, ...

... eine beeindruckende Tropfsteinhöhle mit Stalagmiten und Stalagtiten.

Oben links das Schild am Eingang - Warnungen ohne Ende für unerfahrene Touristen (wie uns...).

Oben rechts der Eingangsbereich zur Höhle. Links: In der Höhle fließt ein kleines Bacherl, unten links am Foto zu erkennen.

Nach dem Tropfsteinhöhlenbesuch ist Christian noch eine Runde Laufen gegangen - auf den Gipfel des Mt. Luxmoore (Ausblick rechts) auf 1.472 m, dessen Besteigung für den Tag 2 geplant ist. Isi - leider noch immer mit blasenübersäten Füssen - blieb (ein bissi neidisch...) auf der Luxmoore Hut.

Die zurückgelegte Strecke an diesem Tag (ohne Höhle und Laufrunde versteht sich) war trotz Aufstieg mehr als harmlos: 13,8 km, die wir trotz körperlicher Einschränkungen und entsprechend sehr langsamem Tempo über 1 Stunde schneller als die angegebenen 6 Stunden gegangen sind.

Beim Zusammensitzen und Essen am ersten Abend mit den anderen Wanderern  mussten wir leider feststellen, dass der Kepler-Track eine Touristenattraktion - nicht mehr und nicht weniger ist. Nicht, dass die Leute nicht nett wären - aber mit dem Wandern so wie wir das gewöhnt sind, hat das Ganze halt nicht mehr viel zu tun... Viele sind unsportlich, unentspannt bzw. total negativ eingestellt. Es sind uns auch einfach zu viele gewesen - in etwa 50 Leute. Und wir haben in Neuseeland eigentlich noch nie so viele Amerikaner auf einmal gesehen - die hatten sogar eigenes Instant-Wander-Futter um NZ $ 10,- pro Portion (= ca. € 6,-) dabei. Da haben wir beide mit unseren Packerlnudeln und Müsliriegeln natürlich ganz schön alt ausgesehen...

 

TAG 2:

In der Früh ist eine Wolkendecke über dem Mt. Luxmoore gehangen. Die Pessimisten (v.a. Amis...) haben natürlich gleich herumgemotzt. Eh klar. Muss ja schlechtes Wetter sein. Geht ja gar nicht anders.  Ein super-netter Kanadier hat sich erlaubt zu bemerken, dass das Wetter sicher toll wird,  wenn sich erst die Suppe 

verzogen hat. Mehr hat er nicht gebraucht...

Wir beide haben auf jeden Fall gewartet, bis sie sich verzieht (siehe Foto oben), was gegen 11.00 Uhr der Fall war. Da nur eine 5 bis 6-Stunden-Strecke vor uns lag, sind wir in aller Ruhe um 11.15 Uhr abmarschiert.

Oben: am Gipfel des Mt. Luxmoore haben wir 3 bekannte Gesichter getroffen: Moti, Ori und Moses aus Israel (leider haben wir uns nicht gemerkt, wer wer ist...). Die 3 sind zwar total unsportlich, aber wahnsinnig nett und lustig gewesen. Der ganz links hat neben uns im Matratzenlager geschlafen und geschnarcht, dass jedes Sägewerk der Neid gefressen hätte. Er hat uns versprochen, sich für die zweite Nacht ein weiter entferntes Platzerl zu suchen...

Oben: Das ist Tobias aus Stuttgart (ganz ein Netter!). Wir haben ihn schon am Rees-Dart-Treck kennen gelernt. Auch ihn haben wir oben am Gipfel des Mt. Luxmoore getroffen. Er hat nicht den ganzen Kepler-Track gemacht, sondern nur eine Tageswanderung über den Mt. Luxmoore (hätten wir uns vielleicht auch überlegen sollen...)

Links: Das "South Fjord" des Lake Te Anau

Bei hervorragendem Wetter und Fernsicht sind wir nach dem Passieren des Mt. Luxmoore über einen Sattel namens "Forest Burn Saddle" gegangen. Die Aussicht war fantastisch und hat für die viele (eher ungeliebte) Gesellschaft am Berg entschädigt. Weil wir für diesen Tag - ganz unüblich für uns - nur die empfohlene Tagesstrecke von 14.6 km eingeplant hatten, hatten wir alle Zeit der Welt für eine Unmenge an Pausen. Die wahre Herausforderung an diesem Tag lag darin, für die Pausen Orte zu finden, an denen man möglichst alleine ist und trotzdem die
tolle Aussicht genießen kann. Der Weg war sehr gut ausgebaut, überall wo einmal zu viele Steinderln oder rutschige Stellen gekommen wären, waren die Wege mit Holztreppen verbessert. Nach etwa 2 Stunden führte uns der Weg wieder bergab unter die Baumgrenze zurück in den Regenwald (siehe Foto oben links). Über den einige Male zu kreuzenden Fluss waren natürlich unzählige Brückerln und Stege gebaut. Dort befand sich nach einem eher unangenehm langen Abstieg (Zik-Zak-Wegerln) auf 497 m Seehöhe unser nächstes Quartier, die "Iris Burn Hut". Wir kamen dort gegen 17.30 Uhr an und verbrachten den Abend hauptsächlich mit dem netteren Teil der am Vortag kennen gelernten Leute. Bei einem Schnapser vorm Schlafengehen hat Christian Isi gnadenlos das Fürchten gelehrt...

 

TAG 3:
Kurz nach 9.00 Uhr sind wir von der Iris Burn Hut losmarschiert. Der Weg führte uns hauptsächlich durch Wald und Steppenlandschaft. Matschige Stellen waren mit Holzstegen überbaut. Es war ein Mini-Bacherl zu überqueren. Wir haben uns gewundert, dass da keine Brücke drüber gebaut worden ist. Aber

wahrscheinlich war das halt das "Abenteuer", das man an diesem Treck noch übrig gelassen hat... Um 13.25 Uhr waren wir bei der nächsten Hütte, der Moturau Hut. Diese Hütte liegt sehr idyllisch direkt am Lake Manapouri und war das nächste Quartier für die meisten Leute, die den Kepler-Track gegangen sind. 
Oben links: Chris und Heather aus Colorado, USA. Sehr, sehr nette Amerikaner, die sich eindeutig von den anderen abgehoben haben. Kein Wunder auch - Heather ist schon mal einen Marathon gelaufen!

Links: Die letzen Meter des Kepler Tracks führten uns entlang des "Waiau Rivers". Natürlich gabs auch über den eine tolle Brücke zwecks Überquerung.

Nicht aber für uns, denn wir sind weitergegangen bis zum Rainbow Reach, einem Alternativfinishpunkt des Tracks ca. 9 km vom ursprünglichen Startpunkt entfernt. Bis zum Rainbow Reach sind wir harmlose 22.2 km marschiert. Von dort wärs dann noch ca. eine Stunde bis zum Auto gewesen. Aber diesmal war das Glück auf unserer Seite. Ein nettes (ja!) amerikanisches Pärchen hat uns am Straßenrand "aufgelesen" und uns mitgenommen.

Doch überraschend müde und erschöpft haben wir den Abend dann in der "Stadt" verbracht, mit Fish & Chips (bzw. ein vegetarischer Burger für Isi) und Muffins als Nachspeise. Sehr zu Isis Freude hat ihr Papi angerufen. Denn Handy-Empfang war so ziemlich das Einzige, was es im "Touristennest" Te Anau in ausreichender Qualität und Quantität gegeben hat.

Wir freuen uns schon, diesen Touristennestern ab morgen wieder ein bisschen zu entkommen, wenn wir weiter Richtung Süden fahren.

Wir schicken Euch viele liebe Grüße aus Te Anau!

Christian und Isi

 

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