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6. März 2005
Ein Spaziergang auf Quail Island
 
Halli-Hallo!

Heute war es überraschend heiß, es hat sicher 25 bis 30 °C gehabt und wieder strahlender Sonnenschein. Nach einem angenehmen Vormittag, den ich mit Frühstück und Mail Schreiben verbracht habe, habe ich heute bereits um 12.15 Uhr (man wird ja schlauer) Rika abgeholt, um den zweiten Quail-Island-Versuch zu starten. 

Und der war überraschend erfolgreich! Wir waren gegen 12.45 Uhr beim Info-Center in Lyttelton und haben dort um jeweils 10,-- NZ$ Fährentickets für die 13.30 Uhr-Fähre nach Quail Island erstanden! Die halbe Stunde, die uns dann noch an Zeit blieb, haben wir im "The Door" verbracht, das Cafe, von dem wir vor 2 Tagen schon so begeistert waren. Es war wieder toll, diesmal war sogar ein bisschen mehr los.

 

Die Fahrt mit der Fähre war relativ kurz (ein paar Minuten), die Insel sah schon vom Boot aus recht interessant aus. Sie entstand aus Lava von insgesamt 3 Vulkanausbrüchen, einer vor 14, einer vor 11 und der letzte vor 6 Millionen Jahren. Die so entstandenen 3 Schichten kann man auf dem Foto ganz gut erkennen.
Auf der Insel gab es zwei Fußwege, einen 4,5 km langen, der um die ganze Insel herumführt und einen 2 km langen, der unter anderem zu einem Schauraum mit wissenswerten Infos über die Insel führt. Rika und ich hatten fast 3 Stunden Zeit, bis wir wieder von der Fähre abgeholt wurden. Genug Zeit, um beide Wege zu gehen und intensiv die doch recht interessante Geschichte dieser Insel zu studieren:
Das ist diese Stelle mit den 3 Vulkangesteinsschichten aus der Nähe

Rika irgendwo auf dem "längeren" Rundgang

 

Rechts: die Aussicht von der Insel auf Lyttelton und auf Godley Head, wo wir vorgestern marschiert sind

Da waren Farmer, die ihre Kühe per Boot auf die Insel karrten und sich darüber freuten, keine Zäune errichten (und reparieren) zu müssen. Und ein paar Leute, die sich an Holz und Muscheln der Insel heranmachten.

Aber es gab noch eine, sehr interessante Art der Nutzung dieser Insel: als Quarantäne-Station. Und zwar Quarantäne für Tiere, die nach Neuseeland importiert werden sollten. Und auch als Ausbildungsstätte und gleichzeitig Quarantäne für Ponys und Maultiere, die dann später als Arbeitstiere mit auf Antarktis-Expeditionen genommen wurden.

Aber die Insel war auch Quarantänestation für Menschen. Und zwar für solche, die krank oder vermutlich krank nach Neuseeland einwandern wollten. Man hat sie auf die Insel verfrachtet und gewartet, was passiert; wenn sie überlebt haben bzw. gesundet sind, durften sie einreisen. Aber die interessanteste Nutzungsart war als Quarantänestation für Lepra-Kranke. Insgesamt gab es 9 erkrankte bzw. vermeintlich erkrankte. Gestorben ist nur einer. Dementsprechend groß war das Aufsehen um seinen Tod, sein Grab ist eingezäunt mit Kreuz und Erinnerungsschild und allem drum und dran. Wenn er an der Grippe gestorben wär, hätt wohl kein Hahn danach gekräht...

Das Grab vom einzigen Lepra-Todesopfer...

...und das Schild davor

Um ehrlich zu sein, habe ich im Laufe des Rundgangs um diese Insel mehr Mitleid mit den Überlebenden dieser Krankheit, als mit dem Todesopfer entwickelt. Einen von ihnen haben sie 9 Jahre auf dieser Insel schmoren lassen. Außer einem Radioempfänger, der hin und wieder mal ein Konzert übertragen hat, hatten sie praktisch keinerlei Möglichkeiten zur Unterhaltung.
Die Umweltschutzbehörde DOC (Department of Conservation) hat in den letzten Jahren alle nach Neuseeland und somit auch auf Quail-Island eingeschleppten "Plagen" wie Ratten, Mäuse und Opossoms auf der Insel ausgerottet. Vor kurzem hat man mit dem Versuch begonnen, ehemals hier heimische Flora und Fauna wieder zu etablieren. Am Ende des Projekts will man 120.000 Bäume auf Quail-Island gepflanzt haben. In dieser Umgebung soll sich die ursprünglich hier beheimatete Tierwelt (hauptsächlich Vögel) - mangels vom Menschen eingeschleppter Feinde - praktisch von selbst wieder etablieren. Sehr interessantes Projekt. Freiwillige zum Einpflanzen werden tageweise gesucht - Isi denkt darüber nach (für April, wenn ich aus Australien zurückkomme)...

Viele liebe Grüße!

Isi

 

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