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30. April bis 13. Mai 2005
Farmsitting in Goughs Bay
 
Hallo liebe Freunde!

Nach zwei ebenso unvergesslichen wie ungewöhnlichen Wochen auf der Banks Peninsula melde ich mich nun aus Christchurch zurück, nach wie vor (oder noch mehr) bei bester Gesundheit und hochzufrieden. 

Ich war wieder zwei Wochen auf der Farm von Bob und Marilyn Masefield, inzwischen schon zum dritten Mal. Der Unterschied diesmal war nur, dass die beiden nicht da waren. Sie waren auf einer Art Arbeitsurlaub für 2 Wochen auf der Nordinsel und haben mich sozusagen mit dem Haus-, Hunde-, Katzen- und Gartensitting beauftragt. Nach seinem Wochenenddienst ist mir Montag (2. Mai) Mittag noch Chris zu Hilfe gekommen.

Und so bin ich am 30. April in der Früh, gegen 7.00 Uhr aufgebrochen und in die Goughs Bay auf die Farm gefahren (Fahrtzeit ca. 1,5 Stunden). Nach einer kurzen Plauderei und dem Entgegennehmen aller Instruktionen (hauptsächlich mündlicher Art) sind Bob und Marilyn gegen 9.30 Uhr abgedüst und haben mich mit ihrer Farm sozusagen allein gelassen. Natürlich nicht so richtig allein, denn es waren ja jede Menge "Kumpanen" da, um die ich mich kümmern sollte. Hier einige davon:

 

  • 6 absolut wohlerzogene, nette und freundliche Hirtenhunde. Leider hab ich nur Fotos von dreien von ihnen, ich hab beim Fotografieren nicht so richtig registriert, dass ich immer die gleichen erwisch.

Rechts: Sie waren alle mit einer ca. 2 m langen Kette an einer eigenen Hundehütte angebunden. Natürlich hatte auch jeder von ihnen einen eigenen Futter- und einen Wassernapf zur Verfügung. Vorne (liegend) der "old one", dahinter "Sam" und rechts von Sam "Nig". Die drei anderen, "one eye", "Boss" und "Sue" hatten ihre Hütten sozusagen rechts von diesen dreien, gleich neben dem Baumstamm, den man am rechten Rand dieses Fotos erkennen kann.

 

Der Job mit den sechsen war, sie jeden zweiten Tag von ihren Hütten loszubinden und zwecks Bewegung laufen zu lassen. Danach mussten wir sie wieder einfangen und bei ihren jeweiligen Hütten anbinden. Am Anfang waren wir ziemlich nervös wegen der Geschichte. Und wir waren skeptisch, ob wir sie wirklich alle wieder einfangen können. Und ausserdem waren wir nicht sicher, ob wir nachher eh die richtigen Hunde wieder bei der richtigen Hütte anbinden.

Doch dann hat alles so gut funktioniert, dass wir beschlossen haben, sie täglich laufen zu lassen. Und darüber waren sie natürlich alles andere als bös. Nach wenigen und relativ harmlosen Anfangsproblemen (wie z.B. Sue, die beschloss, zwecks Amusement die hauseigenen Pferde zu jagen) hat sich die Geschichte als absolut einfach herausgestellt. Und es war eigentlich immer das gleiche Szenario. 4 von den 6 sind gemeinsam über den Zaun abgezogen und nach ca. 10 Minuten von alleine wieder zurückgekommen. Und dann haben sie entweder ein bisschen gespielt, oder sind von selber wieder zu ihren Hütten zurückmarschiert um zu warten, bis wir sie wieder anbinden.

Nach ihrer Laufrunde haben wir sie gefüttert. Sie haben jeden zweiten Tag (von Bob eingefrorene, vorgeschnittene und portionierte) rohe Fleischbrocken bekommen und an den jeweils anderen Tagen je ein Hundekekserl. Cäsar-Pedigree-verwöhnter-Stadthund-gewöhnt waren wir doch sehr beeindruckt von diesem Ernährungsplan. Obwohl die Fleischbrocken doch eine beachtliche Größe hatten, konnten wir kaum glauben, mit wie wenig diese Hunde auskommen. Und wie glücklich und zufrieden sie offensichtlich damit waren.

Und abgesehen von Fleisch auftauen und Wassernäpfe-auffüllen war das im Großen und Ganzen der "Hundejob".

 

Links: der älteste und erfahrenste der Hunde. Leider kenn ich seinen Namen nicht. War auch nicht notwendig, er war immer lieb und brav und hat nicht einmal den Anschein eines Problems gemacht. Er hat eigentlich meistens unsere Nähe gesucht. Mangels eines Namens, haben wir ihn nur liebevoll "the old one" genannt. 
 

Rechts: Sam. Mit ihm wars schon eine andere Geschichte. Sam war eindeutig der Chef unter den sechsen. Und manchmal hat er halt danach getrachtet, das zu beweisen, vor allem einem der anderen, der ihm ziemlich ähnlich sieht: "Boss" (leider gibts von Boss kein Foto). Mit ihm hat er sich das eine und andere Fighterl geliefert. Sam war auch meistens auf Achse, darum war die einzige Foto-Gelegenheit wo er mal für ein paar Sekunden stillgehalten hat eben jene rechts... Zu uns war er super-freundlich, jedes Mal wenn wir in seine Nähe gekommen sind hat er sich sozusagen den Haxn ausgefreut...

 

Links: Nig. Auch sie war super freundlich zu uns und absolut problemlos. Gemeinsam mit "the old one" ist sie bei uns geblieben, während die anderen vier abgezogen sind wie die Pfitschipfeile. Sie hat sich hauptsächlich damit beschäftigt, die nahe Umgebung nach Knochen oder anderen essbaren Dingen abzusuchen. Wenns wieder ans anhängen gegangen ist, hat sie meistens ein Souvenier in Form eines toten Tiers (in allen möglichen Stadien der Verwesung...) mitgebracht. Wir habens ihr gelassen.
 

Die 6 großen Hunde haben alle zusammen nicht halb so viel Aufmerksamkeit beansprucht, wie Badman. Wer Badman ist? Bittesehr:

Badman war schon nicht mehr ganz so einfach zu handeln. Schließlich Hauskatze und so. Will beachtet und gelobt werden. Darum hat er uns schon am ersten Tag eine noch lebende Maus ins Haus getragen. So ganz nach dem Motto: "Schau mal, was ich alles fangen kann!". Aber sobald er das Tierchen direkt vor meinen Beinen platziert hat, hat er das Interesse verloren und ist wieder abmarschiert. Somit ist es dann an mir gelegen, die Maus wieder einzufangen und nach draussen zu befördern. Hab ich geschafft.

Ein paar Tage später hat er dann einen Hasen ins Haus gebracht. Der hat nicht mehr gelebt. Hätt ja auch keinen Spaß gemacht, der wär ja von selber wieder abgehauen. Er war fast so groß wie Badman. So ein richtig ordentlicher Feldhase halt mit allem Drum und Dran. Obwohl - wenn ich so drüber nachdenk, so ganz alles war doch nicht mehr dran. Als wir den Hasen gefunden haben (strategisch klug unter meinem Bett platziert), war er bereits in seine Einzelteile zerlegt. Der eine Haxn am anderen Ende des Zimmers und so... Und natürlich Blutspuren überall nett und auffallend verteilt am (bis dahin) schönen hellblauen Teppich des Zimmers. Den Hasen haben wir (und da schmück ich mich jetzt mit fremden Federn, ehrlich gesagt war es Chris) "entsorgt" (oder bessergesagt in halbwegs sicherer Entfernung versteckt), und die Blutspuren haben wir so gelassen, weil wir im ganzen Haus keinen Teppichreiniger finden konnten...

Nach der Hasen-Aktion ist Badman eigentlich recht lieb und umgänglich geworden. Bis auf die letzte Nacht. Da hat er (so gegen 3.00 Uhr) plötzlich begonnen, vor der Tür einen Heidenlärm zu machen (mit Miauen und Kratzen und so). Abschiedsgeschenk - eh klar, oder? Glücklicherweise diesmal nur Maus (sogar tot) und nicht Hase. Genau das, was ein Vegetarier wie ich halt so mitten in der Nacht brauchen kann...

 

Links bzw. oben: ROSE

 

 

So richtig Spaß gemacht hat es, sich um Rose zu kümmern. Ich weiß nicht, wie jung sie ist (aber auf jeden Fall ziemlich jung), aber sie war super-süß. Jeden Tag hat sie abgesehen von Welpenmilch und Fleisch (naja - ein bissi Nascherei war auch dabei) auch noch die nötige Portion Auslauf benötigt. Sie ist ein richtiges Energiebündel, hat keine Sekunde stillgehalten. Und beim Wachsen konnte man ihr praktisch zusehen.

 

 

Was die Farmsitting-Geschichte so richtig toll gestaltet hat, war die Tatsache, dass wir eigentlich nur so ca. 2 bis 3 Stunden am Tag gearbeitet haben. Und den ganzen restlichen Tag haben wir damit verbracht, das Leben zu genießen. Das heißt stundenlang frühstücken auf der Veranda, fernsehen (eher Chris), Internet-surfen, Brot-backen, kochen (zum ersten Mal in meinem Leben halbwegs ernsthaft und sogar genießbar!) und Website aktualisieren (eher Isi) und natürlich, wenn das Wetter ok war (und das war es eigentlich fast jeden Tag!) auch hin und wieder mal einen ordentlichen Spaziergang. Wie zum Beispiel die Folgenden:

Goughs Bay:

Die mir bislang nur von unten bekannte (östliche) Seite der Goughs Bay. Die tolle Aussicht, unter anderem auf die Farm, war nicht wirklich eine Überraschung. Rose hat uns bei diesem Spaziergang begleitet. Sie war fix und fertig danach...
 

Hinewai Reserve:

Oben, rechts und unten: Engagierte Menschen (vor allem einer, nämlich der Manager namens Hugh Wilson) versuch(t)en im Hinewai Resort, die ursprüngliche Vegetation der Banks Peninsula (bevor alles zwecks Schafernährung abgerodet wurde) wieder herzustellen. 
Auf einem ca. 1.050 Hektar großen Areal im Südosten der Banks Peninsula - nur in kurzer Distanz (ca. 1 Stunde Fußmarsch) von Bob Masefields Farm entfernt - wurde 1987 das (damals noch viel kleinere) Hinewai Reserve gegründet.

Im größtenteils bewaldeten Gebiet befinden sich über 12 km an Wanderwegen. ABSOLUT EMPFEHLENSWERT!

 

Akaroa Walking Tracks:

Direkt vom Ort gehen ein paar recht nette Wanderwegerln weg. Sie sind alle recht kurz, angegeben mit bis zu 4 Stunden (d.h. eigentlich komott zu bewandern in maximal drei).

Wir haben zwei davon gemacht: den "Around the mountain walk" (angegeben mit 4 Stunden, gemütlich gegangen in 2,5) und den ... (angegeben mit 2 bis 3 Stunden, noch gemütlicher marschiert in 1,5). Beide schön, gut ausgebaut und beschildert. Und wir haben Riesenglück mit dem Wetter gehabt. Jedes Mal Sonnenschein, relativ warme Temperaturen und tolle Aussicht.

Rechts: Aussicht vom "Around the Mountain Walkway" auf die Bucht von Akaroa. Bilderbuchwetter für kurze Hose und kurze Ärmel.

 

Onawe Peninsula

Das Wetter hätte auch bei diesem kurzen Ausflug besser nicht sein können. Trotz Wind war es warm genug (ja, sogar für mich!) für kurze Hose und Trägerleiberl.

Oben von der kleinen Halbinsel hat man einen

wegen der geringen Höhe überraschend guten Ausblick.

 Auf diesem eher unvorteilhaften Foto kann man

zwar die Kilos erkennen, die ich zugelegt hab.

Dafür aber Beweis: schönes Wetter auch im Mai! 

 

Diese beiden wundervollen Wochen waren so ein bisschen ein Knackpunkt in meinem Kopf. Ich hab mich derartig entspannt, dass ich langsam das Bedürfnis verspüre, wieder zu arbeiten. Nachzudenken. Und ein bisschen zu organisieren. 

Viele liebe Grüße!

Isabelle
 

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