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10. November 2004
Die letzten News von Isabelle
Hallo liebe Freunde!

Jetzt hab ich mich ja schon länger nicht gemeldet... Die Zeit hier vergeht ziemlich schnell. Wieder danke für die vielen lieben E-Mails - es ist soooo toll, den Kontakt zur Heimat nicht zu verlieren und trotzdem hier so schön leben zu können. Und ach ja: ihr habt mein (ernst gemeintes!) Beileid wegen dem Wetter bei euch. Aus Solidarität hab ich gestern am Berg ein bissi für euch mitgefroren. Hier "unten" kommt langsam der Sommer, die Temperaturen steigen praktisch täglich, momentan hat es so zwischen 20 und 25 Grad und meistens (bis jetzt eigentlich immer außer heute) scheint die Sonne.
 
Die Wanderung, die für Sonntag oder Montag geplant war, musste ich teilweise wetterbedingt, teilweise aus anderen Gründen, auf gestern verschieben. Es ist ein 17 km langer Weg, der über Stock und Stein und über einen Vulkan und an einigen Gebirgsseen vorbei führt. Es war atemberaubend, ich konnte gar nicht mehr aufhören, Fotos zu schießen. Wo wir ja schon wieder beim Thema wären: ich werde morgen in die nächstgrößere Stadt fahren und versuchen, die Fotos von meinen Memory Cards auf CD brennen zu lassen (beim Media Markt machen 

sie das, dann wird sich ja in Neuseeland auch irgendwo eine Möglichkeit finden lassen). Wenn mir das gelingt, kann ich endlich Fotos schicken.

Am Weg zum Vulkan namens Mt. Tongariro passiert man die "Soda Springs"  (ziemlich schöne Wasserfälle) und wandert danach...

...immer höher und höher, ...

... vorbei an einem anderen (ebenso noch aktiven) Vulkan namens Mt. Ngauruhoe    und noch einmal ordentlich hinauf ...    ... wo die Luft immer kälter, der Boden  immer wärmer und die Aussicht immer besser wird, bis man dann...

... den großen roten Krater passiert, bevor man zum höchsten Punkt des Mt. Tongariro gelangt, ... ... von dem aus man eine atemberaubende Sicht auf einige kleine Kraterseen namens "Emirald Lakes" ...

... und einen größeren namens "Blue Lake" (links hinten) hat. Der Mt. Ngauruhoe schaut von oben auch nicht schlechter aus, als von unten.
    
Um auf die Wanderung zurückzukommen: auf 1.970 m, wo einem der eiskalte Wind um die Ohren bläst (und zwar mit einer Geschwindigkeit, wo sich meiner-einer bemühen muss, stehen zu bleiben!), setzt man sich halt dann kurz auf einen Stein, um nach dem doch heftigen Aufstieg etwas zu verschnaufen, und stellt plötzlich fest, dass das Popscherl immer wärmer wird... Und jetzt nicht was ihr denkt, nein - keine Sorge meinem Darm ging es hervorragend. Die Steine bzw. der Boden hatte(n) so an die 40 Grad da oben! Um ehrlich zu sein weiß ich nicht so ganz genau warum. Was ich auf jeden Fall weiß, ist, dass dieser Vulkan (und auch die beiden anderen in unmittelbarer Nähe) noch aktiv ist, vielleicht hat es ja damit was zu tun...

Der Krater war auch wirklich atemberaubend - was soll ich sagen - ich werde die Bilder schicken, um euch zumindest eine Idee zu geben, wie toll es dort oben ist. Ich glaub, ich werde diese Wanderung noch mal machen - um mehr Zeit an den wirklich tollen Plätzen verbringen zu können und die uninteressanteren wegzulassen.

Einer der Emirald Lakes aus der Nähe.

Das Wasser ist eiskalt.

Links: schwefelig "duftende", dampfende Steine, Rechts: Schnee.

Hier auf der Farm läuft alles toll. Inzwischen sind die beiden Iren abgereist. Letzten Donnerstag sind zwei englische Archäologen gekommen, die morgen wieder abreisen. Am Montag sind zwei Mädels aus Deutschland gekommen, gestern eine Französin (vielleicht mach ich die Wanderung mit ihr noch mal). Der Tscheche, die Japanerin und der Kanadier sind noch immer da, momentan sind wir also zu 9t. Und so gibts an diesem Platz ständig Veränderung. Aber eigentlich total positiv, weil ja niemand im Bösen geht, ist ja ganz normal und üblich so. Manche bleiben länger, manche kürzer und keiner macht Probleme (ist das nicht schön...?).

Meine Tätigkeiten haben sich in der Zwischenzeit ein bisschen gewandelt. Nachdem ich äußerst vorsichtig bei der Hausherrin anklingen ließ, dass ich den Dreck hier nicht ganz pack, hab ich sozusagen die allgemeine Putzerlaubnis (mit Prioritätenliste) gekriegt. Das heißt, dass ich mich meistens (wenn keine Ausritte zu machen sind) nach dem Frühstück 3 Stunden lang der Reinigung irgendeines Teiles dieser Farm widme (manchmal mit Hilfe, manchmal allein), der seit "längerem" (ein sehr dehnbarer Begriff) kein Putzmittel bzw. -lappen mehr gesehen hat. Die Hausherrin ist ganz aus dem Häuschen über die plötzliche Veränderung, und hat mir (nach meinem Hinweis darauf, dass es mir eigentlich ziemlich gut gefällt hier) schon den allgemeinen "You can stay as long as you want"-Freibrief gegeben. Sie hat gestern schon leise angemerkt, dass sie am 25. November 20 Leute zum Abendessen hier haben wird und auch am Weihnachtstag das Haus voll sein wird, und dass sie da eigentlich ganz gut meine Hilfe brauchen könnte. Ich hab mich noch nicht festgelegt, man sieht ja dann, wie sich alles entwickelt...).

 
Was mein körperliches Befinden anbelangt, gibt es eigentlich nur Gutes zu berichten (obwohl ich heute beim Abendessen wohl doch ein bisschen über die Strenge geschlagen habe...). Ich mach praktisch täglich Sport (laufen, reiten oder wandern) und esse wieder relativ viel, seit das wieder so toll funktioniert. Meine Laufstrecke ist wunderschön, auch davon werd ich noch ein paar Fotos machen. Das Laufen ist lustig, ich komm immer an ein paar Schafherden vorbei, bzw. mitten durch diese hindurch.

An diesem Tag waren leider keine Schafe da. Den Vulkan Mt. Ruapehu (hinten) kann man zwar nicht so schnell wegräumen, aber hinter den Wolken versteckt er sich trotzdem... 

Ich muss schon sagen, Schafe sind wirklich ziemlich dämlich. Wenn man geht, passiert gar nichts. Wenn man aber läuft, und in ihre Nähe kommt, beginnen sie davonzulaufen, obwohl sie ja eigentlich nur nach rechts oder links abbiegen müssten... Die kriegen dann ziemlich die Panik, fangen an zu "mäh"en und rennen wie von der Tarantel gestochen vor mir her. Manchmal ist es so witzig, dass mir fast die Luft zum Laufen fehlt vor lauter Lachen (vielleicht ist das die Strategie, dann sind sie doch nicht so blöd...). Und so hab ich halt hin und wieder außer den wunderschönen Bergen und Hügeln mit hunderten weidenden Schafen und Kühen darauf (links und rechts) manchmal noch eine andere Aussicht (geradeaus) beim Laufen: ein paar Schafärsche auf der Flucht... Vielleicht habe ich meine Berufung mit Zäune streichen, Reiten und Duschen putzen doch verfehlt und sollte mich lieber beim Nachbarn als Hirtenhund bewerben?
 
Jetzt werd ich mich langsam ins Bettchen begeben, es ist kurz nach 10 Uhr abends (hab mich schon daran gewöhnt, genug zu schlafen, tut ziemlich gut!).

Ich schick euch viele liebe Grüsse und melde mich bald wieder.
Isabelle

 

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