letzter Eintrag

zurück zum Tagebuch

back to the diary

nächster Eintrag

  
29. November 2004
Ein spätes Hallo von Isi
Hallo liebe Freunde!

Langsam krieg ich schon ein schlechtes Gewissen, weil ich mich so lang nicht gemeldet habe. Darum nun ein ausführliches Mail, um zu erklären, was ich in letzter Zeit so alles unternommen habe und was ich für meine nähere Zukunft geplant habe.

Wie erwähnt war ich vorletzte Woche in Wellington, der Hauptstadt dieses tollen Landes. Ich bin gemeinsam mit meiner neuen deutschen Kollegin Karin am Mittwoch Nachmittag nach der Arbeit losgefahren (ca. 250 km Entfernung). Wir sind als erstes zum Flughafen. Dort hab ich meinen Flug nach Sydney vom 21. November auf den 10. Dezember verschoben, um die nächsten 3 Wochen bis zu meinem Rückflug in Neuseeland bleiben zu können. Dann haben wir uns (war überraschend schwierig) in einem Außenbezirk von Wellington ein Motel gesucht und haben dort übernachtet. Am Donnerstag früh sind wir wieder in die Stadt gefahren, um uns ein bisschen umzusehen und in Ruhe einen Kaffee trinken zu gehen. Außerdem wollten wir meinen Mietwagen zurückgeben und herausfinden, was der praktischste und günstigste Weg ist, um am Nachmittag oder Abend ohne Auto wieder zurück nach Ohakune zu kommen.

Im Tourist Information Center hat man uns dann aber mitgeteilt, dass es nur
einen Zug am Tag gibt, der nach Ohakune fährt und dass dieser bereits seit 10 min unterwegs war. Eine Busverbindung gibts nur jeden 2. Tag - wir hatten leider grad den falschen erwischt. Wir haben schon überlegt, wie wir unserer Chefin klarmachen können, dass wir noch eine Nacht in Wellington bleiben, als man doch noch eine Möglichkeit über einen privaten Shuttle-Service fand. Dieser wiederum ließ uns heiße 15 Minuten Zeit, um zum Auto zurückzuhirschen (das Stand im Parkhaus mit vorher bezahlen und so), zur Autovermietung am anderen Ende der Stadt zu fahren und das Auto zu retournieren. Das Ganze ist also noch ziemlich stressig geworden. Der Vorteil an der ganzen Geschichte war: Der Suttlebus hat uns direkt von der Autovermietung abgeholt. Der Nachteil, dass wir außer dem Flughafen, dem Motel, dem Parkhaus, dem Tourist Information Center und dem Autovermieter nichts von Wellington gesehen haben. Darum auch keine Karten, E-Mails o.ä. Wellington wird natürlich nachgeholt, aber halt erst ein bisschen später.

Letzte Woche war ich ziemlich intensiv damit beschäftigt, mir ein günstiges Auto zu suchen. Nach relativ wenigen Besichtigungen und Probefahrten hab ich meinen Favoriten schon gehabt - einen Subaru Legacy Kombi. Ist eigentlich eine ziemlich große Kiste, zur Not kann man problemlos drin übernachten. Er ist ein 1990er Baujahr und hat schon 229.000 km am Buckel. Trotz des stolzen Alters hat er Klimaautomatik, Zentralverriegelung, Allradantrieb, Automatik und noch ca. 100 andere kleine technischen Spielereien. Ihr wollt jetzt sicher wissen, was er gekostet hat - das fand ich nämlich gar nicht so tragisch: ich konnte den Händler auf 1.800 NZ Dollar und einen vollen Tank runterhandeln. Das sind ziemlich genau EUR 1.000,--.

Als ich mein tolles neues Auto versichern wollte, fand ich heraus, dass mein österreichischer Führerschein (entgegen aller Infos, die ich im Vorhinein eingeholt hatte) hier gar nicht (mehr) gültig ist. Ich will Euch nicht mit Einzelheiten langweilen - der Grund dafür hat auf jeden Fall damit zu tun, dass ich vor 3 Jahren (zu meinen Schiffs-Zeiten) bereits ein paar Tage in Neuseeland war und damals bestimmte Fristen zu laufen begonnen haben. Das hat zur Folge, dass ich einen neuseeländischen Führerschein machen muss, was ich für morgen eingeplant habe. Dazu muss ich in eine Stadt namens Taihape, so ca. 40 km von Ohakune entfernt. In Taihape gibts
nicht besonders viel, außer einer Sache: Taihape ist die Hauptstadt des
Gummistiefelweitschiessens. Das muss ich mir natürlich nach der (hoffentlich bestandenen) Führerscheinprüfung unbedingt geben, keine Frage. Und Erzählungen zufolge kann man in Taihape auch ganz nett shoppen und spazieren gehen. So werd ich also den morgigen Tag in Taihape verbringen und Euch natürlich danach berichten, wie er so verlaufen ist.

Und nun zu meinen Zukunftsplänen: Wie Ihr Euch inzwischen vermutlich
zusammenreimen könnt, habe ich beschlossen, für längere Zeit in Neuseeland zu bleiben. Ich werde am 10. Dezember wie geplant nach Wien fliegen und dort bis Anfang Januar bleiben. Dann komme ich wieder hierher zurück und möchte in etwa 1 Jahr bleiben. Ich möchte vorerst meine Wurzeln hier auf Ruapehu Homestead schlagen, und immer wieder kleinere Ausflüge (bis zu 1 Woche) im Land machen, ev. auch 1 oder 2 Abstecher nach Australien. Ich will mir in Ruhe die Gegend ansehen, die Seele baumeln lassen und das (Farm)Leben genießen. Ich werde nächste Woche versuchen, eine Arbeitserlaubnis für 1 Jahr zu bekommen, dann darf ich auch Geld verdienen und muss nicht unbedingt nur gegen Kost und Logis arbeiten.

Meine 3 Wochen in Wien sind - abgesehen vom Autoverkauf und zeitlich noch nicht fixierten Verwandtenbesuchen - noch relativ unverplant. Wahrscheinlich sind sie aber trotzdem relativ schnell wieder um, wenn also die\der eine oder andere von euch ein Treffen mit mir vereinbaren will sagt mirs bitte möglichst bald, damit ich ein bisschen planen kann.

Hier auf der Farm läuft inzwischen alles seinen gewohnten Lauf. Momentan sind wir 2 Deutsche, 1 Engländer, 2 Schotten (reisen Mittwoch ab), noch immer der Kanadier und ich. Morgen Abend kommen noch 2 Deutsche. Nervt mich ehrlich gesagt ein bissi - hier sind bald mehr Deutsche als alle anderen
Nationen zusammen. Aber wer weiß - vielleicht wirds ja auch ganz toll mit
ihnen! Die letzten paar Tage auf der Farm waren eigentlich nicht so toll, aber das gehört wohl auch dazu. Zum einen ist das Wetter plötzlich ziemlich schlecht geworden (kurz hat es sogar geschneit!). Inzwischen wirds wieder langsam wärmer - ich hoffe die Tendenz bleibt steigend... Zum anderen war die vergangene Woche nicht unbedingt die glücklichste für die Tiere hier. Eine Ziege ist gestorben (angeblich an Altersschwäche) und mein heiß geliebter Bubbles, den wir gerade erst von der Flasche aufs Gras umgewöhnt haben, hat sich den Fuß gebrochen. Wahrscheinlich ist ihm ein Pferd drauf gestiegen, aber: nix genaues weiß man nicht. Tierarzt ist zu teuer und zahlt sich halt auch nicht aus (Chefin meinte nur: "There are 15 Million sheeps in this country!"). Er hat ziemliche Schmerzen, wir werden ihn wohl bald erschießen müssen...

Eine Erfolgsnachricht gibts aber auch: nach anfänglichen Schwierigkeiten habe ich vorgestern meinen ersten selbst gemachten und auch genießbaren Laib Roggenbrot aus dem Ofen gezogen! Der Grossteil der Leute hier war ziemlich begeistert davon, darum hab ich gerade weitere 4 Laib gemacht, sie stehen gerade im Ofen, während ich dies hier schreibe.

So - das waren jetzt alle Neuigkeiten im Groben - ich hoffe, ihr seid mit Lesen fertig, bevor ich nach Wien komme! Ich werd mich bald wieder melden, entweder nach Taihape, oder von Napier, wo ich von Donnerstag bis Samstag ein bisschen urlauben werde. Bis dahin schicke ich euch viele liebe Grüsse!
Isi

 

  

letzter Eintrag

zurück zum Tagebuch

back to the diary

nächster Eintrag